Einzelkämpfer – Deutschlands wohl einziger Trueno AE111

Die wenigsten Autonarren würden unserer Erfahrung nach widersprechen, wenn wir behaupten, dass die Individualität eines Fahrzeugs und dessen Umbauten einen großen Bestandteil des Schrauberlebens ausmachen. Ein Auto, das man wiedererkennt und welches heraussticht, weil niemand sonst etwas Vergleichbares hat. Wem würde das nicht gefallen? Manchmal allerdings stolpert man über ein oder zwei Autos, bei denen große Umbauten zu diesem Zwecke nicht nötig sind und man sich nicht einmal sicher ist, welcher Marke sie entstammen. Solche Autos sind nicht nur individuell, sie sind tatsächliche Raritäten und oftmals wahrlich einzigartig. Eine solche Rarität haben wir glücklicher Weise vor die Linse bekommen. Mindestens genauso rar wie er selbst ist auch die Geschichte dieses Toyota Trueno AE111 BZ-R, von dem es nebenbei bemerkt nur dieses eine Exemplar in ganz Deutschland gibt.

Als wir zum ersten Mal vor diesem Schmuckstück standen, wussten wir nicht recht, wo es einzuordnen war. Die Front hat etwas von einer Nissan Silvia, während das Heck an einen S2000 erinnert. Aus der Ferne betrachtet könnte es auf den ersten Blick auch ein 98 Spec Integra sein. Kommentare wie diese sind für Besitzer David Romoda nichts Neues mehr. Tatsächlich ist dieses Fahrzeug so etwas wie der Ururenkel des legendären Toyota Trueno AE86, weshalb man sich schlussendlich wundert, warum sich dieses Model keiner großen Bekanntheit erfreut. Technisch gesehen macht sich nämlich vor allem diese BZ-R Version recht gut in der Position des würdigen Nachfolgers. So besitzt er im Gegensatz zu allen anderen Versionen des AE111 von Haus aus bereits eine größere Bremsanlage mit 2-Kolben-Schwimmsätteln, 6-Gang Getriebe und Sperrdifferential, sowie ein sportlicheres Fahrwerk. Dem Betrachter wird das Beinhalten dieser Sonderausstattung zudem durch den größer ausfallenden Heckspoiler verdeutlicht.

Auch wenn David erst der zweite Halter ist, hat dieser Trueno schon eine sehr weite Reise über einige Umwege hinter sich. Und eigentlich ist er auch nur durch einen glücklichen Zufall in Davids Garage gelandet, denn zum Kauf im Jahre 2014 kam es nur durch die ursprüngliche Suche nach Ersatzteilen. Über eBay suchte David nach einem 4A-GE Motor für einen Freund, welchen er im Grunde auch fand. Es stellte sich allerdings heraus, dass er nicht nur einen solchen Motor erwerben könnte, sondern ein Auto gleich dazu. Da stand er nun: schwarzer Lack, ein paar Beulen und Kratzer, bedeckt von einer Menge Staub und frisch aus der Scheune gerollt, in der er wohl ein knappes Jahr lang herum stand. Auch wenn man an einigen Stellen Hand anlegen müsste, der 4A-GE im Inneren lief nach Starthilfe sauber und der Toyota war grundsätzlich fahrbereit, was es David ermöglichte ihn kurz entschlossen auf eigener Achse heim zu fahren. Bis hier her klingt alles nach einer klassischen Scheunenfund-Story mit Happy End. Forza Horizon in “Real Life” quasi. Das aber ist heutzutage nicht mehr allzu besonders.

Mit der Zeit versuchte David die Historie des Truenos zu rekonstruieren, erforschte alle beiliegenden Papiere und machte Entdeckungen. Offenbar wurde das Fahrzeug Ende der 90er Jahre aus Japan nach England importiert und dort einige Zeit lang gefahren. Von dort aus wurde das Fahrzeug nach Deutschland geholt, an unseren Rechtsverkehr angepasst und nach einer Homologation zugelassen. Nach einigen Jahren ging es wieder zurück auf Japans Straßen, woraufhin er nur wenig später wieder in Deutschland angemeldet wurde. Tatsächlich wurde all dies von ein und demselben Halter veranlasst, welcher allem Anschein nach aus Japan stammte und lediglich in verschiedenen Ländern über verschieden lange Zeitspannen beruflich tätig war. Dieser nachweisbare Aufwand und ein zudem lückenloses Scheckheft bringen uns zu der Annahme, dass hier wohl ein wahrer Liebhaber am Werk war. Offenbar wurde das Fahrzeug nach dem Tod des Besitzers an das Autohaus übergeben, welches zuvor mit der Wartung betraut war. Einem Mitarbeiter eben dieses Autohauses wollte David schließlich eines Tages einen 4A-GE Motor abkaufen und bekam stattdessen ein ganzes, sehr besonderes Auto.

Wie die Bilder vermuten lassen, blieb der AE111 nicht lang unangetastet und auch wenn er auf den ersten Blick nicht so wirken mag, viel ist vom Zustand zu Scheunentagen nicht übrig. Gemeint ist hier nicht nur die offensichtliche Karosseriearbeit, bei der sämtliche beschädigte Teile ausgetauscht wurden, denn viel interessanter sind wie so oft die Dinge, die man nicht sofort sieht. Der serienmäßige 4A-GE Motor wurde komplett zerlegt, der Block gehont und mit Kolben in Übermaß, jedoch original von Toyota, versehen. Der Kopf wurde geplant, die Kanäle passend zu den Krümmeröffnungen geweitet und poliert. Die Ventilsitze wurden neu eingefräst, die serienmäßigen Ventile eingeschliffen und um den Ventilhub zu vergrößern wurden die serienmäßigen Nockenwellen bearbeitet und zusammen mit speziell hierfür gefertigten Shims verbaut. Auf den Block montiert wurde all dies mit ARP Bolzen und einer TRD Kopfdichtung dazwischen. Unterm Strich wurde somit die Verdichtung von 11:1 auf 12:1 erhöht. Die Kurbelwelle wurde überholt und sowohl isoliert als auch in Kombination mit Riemenscheibe, Kupplung und Schwungscheibe gewuchtet. Abgerundet wird diese erweiterte Revision durch 75mm lange Stacks der Firma Technotoy mit einem Durchmesser von 52mm, einem einfachen Cold Air Intake und einem TOM’S Piggyback als Verbesserung des Kontrollzentrums. Die Abgase werden durch eine komplette 2,5″ Apexi N1 Abgasanlage gedrückt. Diese Kur schraubt die Leistung des kleinen Saugers auf knapp unter 200PS.

Das durch Toyota selbst schon aufgewertete Fahrwerk wurde durch eine Spezialanfertigung von K-Sport ersetzt und wird nun in Kombination mit Sparco Assetto Gara in 7×17″ auf 195er Gummis gefahren. Die serienmäßige Bremsanlage wurde mit Hilfe von Spacern modifiziert, um die etwas größeren Scheiben aus dem Toyota Corolla TS nutzen zu können. Im Innenraum finden Recaro IS200 Sitze aus einem Evo auf angepassten Konsolen eines Corolla E11 platz. Zudem sind sämtliche Umbauten ordnungsgemäß eingetragen.

Wir denken, dass dieser Trueno AE111 selbst von Werk aus ein echter Hingucker ist und vor allem durch seine saubere Optik überzeugt. Es begeistert uns, dass dieses Auto einen Menschen dazu veranlasst hat, unglaubliche Anstrengungen zu unternehmen, nur um sich nicht von ihm trennen zu müssen. David würdigt den Charakter und die Einzigartigkeit dieses Wagens nun weiterhin mit einer ebenso speziellen Hingabe, wie man sie sich sonst eher vergeblich für ein Auto eines solchen Kalibers wünscht. Wir hoffen, dass sich dies nie ändern wird.

 

 

Artikel: Tim Schwarz

Fotos: Marcing.Digital Media

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