Golf 6R: Mehr als nur Projekt

Es soll Leute geben, die sich ein Auto als einfaches Transportmittel zulegen. Hauptsache von A nach B, und das möglichst günstig, ansonsten gibt es da kaum einen Bezug zum eigenen Gefährt. So ist es uns zumindest zu Ohren gekommen. Jedenfalls verirren sich solche Menschen wahrscheinlich eher nicht hierher, wieso auch? Nein, bis zu diesen Zeilen dringen wohl nur diejenigen durch, die irgendwie etwas persönliches mit ihrem eigenen Auto oder zumindest mit der automotiven Welt an sich verbindet. Ob sich diese Verbindung nun nach dem Kauf eines Autos mit der Zeit entwickelt hat, oder ob man sich gerade wegen so einer Verbindung ein bestimmtes Auto kauft, ist eigentlich egal. Fakt ist, dass sie meist prägend ist und langen Bestand hat, was ihrer Bezeichnung als “Hobby” eigentlich einen bitteren Beigeschmack verleiht. Irgendwie ist es für manche ja doch etwas mehr als das. Was genau das ist, überlassen wir den Philosophen unter den Schraubern, denn worauf wir hier tatsächlich hinaus wollen, ist das Projekt von Jacky und Olli.

Im Grunde fing alles mit einer typischen “Wenn schon, denn schon” – Geschichte an und nahm sogar einen romantischen Verlauf, aber dazu später mehr. Jacky fuhr vorher schon einen Golf 6, und wie bei so vielen Golf-Fahrern gab es auch hier den Traum vom GTI: mehr Leistung, höhere Geschwindigkeit, etwas sportlichere Optik; eben in allem etwas besser. Irgendwann war es nun soweit, und der Wechsel zum GTI stand kurz bevor, doch plötzlich gab es da dieses Modell mit dem Namen “Edition 35”.  Das Sondermodell zum 35. Jubiläum des GTI legte noch einmal nach und übertrumpfte den “normalen” GTI durch noch mehr Leistung, einen aufgewerteten Innenraum, sowie kleineren “Goodies” zum Exterieur.

Na, wenn schon GTI, dann könnte man auch diesen nehmen, denn der Preis machte keinen entscheidenden Unterschied. Allerdings war der finanzielle Sprung von dort aus auch nicht mehr allzu weit zum R-Modell: aggresivere Optik, Allrad und ein weiteres mal die Leistung hochgeschraubt. Nach einer spontanen Probefahrt war die Entscheidung dann auch recht schnell gefallen und der Golf 6R gekauft. Ganz unschuldig war Olli bei dieser Entscheidung wohl auch nicht, so war er es nämlich, der den Startschuss für den Wandel zum Projektauto gab.

Nach und nach entwickelte Olli Ideen, die sie dann gemeinsam umsetzten. Im Motorraum des Golf findet man mittlerweile einen komplett schwarz lackierten Motor mit einer HG-Motorsport Gen2 Carbon Airbox und Bar-Tek Hitzeschutzblech, sowie eine Autotech Upgrade-Benzinpumpe. Zudem wurde ein starres PCV in Kombination mit einer guten alten Catch-Can verbaut. All das versteckt sich unter einer edlen, selbstgebauten Motorabdeckung aus Carbon. Der Turbolader darf nun durch ein 3″ Downpipe und 200-Zellen-Kat von MH-Pipes in den umgebauten Endtopf ausatmen. Gekreutzt wird der Abgasweg nur von einer speziell angefertigten Klappenanlage mit elektronischer Steuerung, welche es den beiden Fahrern ermöglicht, je nach Laune ganz zivilisiert zu cruisen oder dem Reihen-4-Zylinder zu erlauben, ungehindert durch die Akrapovic Blenden zu schreien. Akustisch untermalt wird dies vom gelegentlichen Zischen des Blow-Off Ventils. Wir können bezeugen, dass dieser 6R einfach brachial klingt. Abgerundet wird alles durch eine Softwareoptimierung und DSG-Anpassung durch OK-Chiptuning mit einem Resultat von 386PS.

Das R-Modell sitzt auf ST Fahrwerksfedern als Erweiterung zum DCC Fahrwerk, wodurch es eine Tieferlegung von 35mm erreicht. Gerade so viel, dass der OEM-Look erhalten bleibt, aber etwas mehr der aggressiveren R-Optik folgt. Den Kontakt zur Straße sucht der Wagen über Pirelli P Zero auf 18″ Autec Wizard, hinter denen sich 5mm dicke Spurplatten der Firma H&R verbergen. Nun würde man dieses Exemplar nicht gerade als unauffällig bezeichnen, wird nämlich seine Erscheinung durch eine Noak Frontlippe und passendem Heckdiffusor erweitert. Nicht zu übersehen ist hier natürlich die Folierung, welche in Zusammenarbeit mit Carmillion Colors entstanden ist.

Neben verlängerten Schaltwippen, komplettem Umbau auf LED-Beleuchtung und einem Hundekäfig in Wagenfarbe wird der Innenraum durch Fußmatten in Kinderzimmeroptik geschmückt. Tuning geht eben auch alltagstauglich.

Wurde sie doch anfangs erwähnt, fehlt bis hier hin aber immer noch die romantische Komponente, auch wenn die Kinderzimmerteppiche wohl der erste kleine Hinweis waren. Dass der Golf das Bindeglied in dieser gemeinsamen Leidenschaft darstellt und so seinen Entwicklungsprozess begann, ist schon eine ziemlich schöne Sache, aber noch nicht der Höhepunkt der Geschichte. Als die beiden eines Tages mit Freunden zum Nürburgring fuhren, wie sie es so oft tun, machten sie vor der Ring Arena halt. Olli schob den Grund für den unerwarteten Halt auf ein Motorproblem. Er würde sich kurz darum kümmern, während die Damen sich frisch machen gehen. Als diese von der Arena zurückkehrten, fanden sie Olli unter der Motorhaube vor, allerdings nicht mit dem Schraubenschlüssel in der Hand, sondern mit Ring und Rose. Unter der Haube der Schriftzug: “Willst du mich heiraten?”

Irgendwie hatte es dieser Golf nun Geschafft, sogar fester Teil ihrer kleinen Familie zu werden. Was auch immer mit diesem Auto passiert, er wird in keinem Fall jemals vergessen werden können. Und wenn man seinem Fahrzeug die Ehre zuteil werden lässt, diese so wichtigen Worte zu übermitteln, dann muss es etwas ganz besonderes sein. Eben deutlich mehr als ein “Hobby”. Übrigens: Jacky hat natürlich JA gesagt und seit ein paar Monaten gibt es sogar Nachwuchs, der sich an den Kinderzimmerteppichen erfreut.

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