Zweite Chance: 240SX S13

Okay. Es ist doch mal wieder Zeit, weiter auszuholen. Jeder, der selbst in unsere automotive Welt eingetaucht ist, weiß, dass man ab diesem Punkt wirklich 24/7 damit lebt. Es ist nicht so, als würde man sein Auto abstellen, aussteigen und es dann bis zur nächsten Fahrt in das Unterbewusstsein verbannen können, in dem es bloß als Teil des Besitztums verweilt. Nein, man denkt immer über potenzielle Verbesserungen oder nötige Arbeiten nach. Die meisten von euch verstehen ihr Auto wahrscheinlich auch als persönliche Zuflucht, als Ruhepol. Nach der Arbeit eine Runde ballern, um den Kopf frei zu bekommen, was gibt es besseres? Jedenfalls sind es solche Aspekte, die viele von uns irgendwann dazu treiben, ihr Leben um diese Faszination herum zu gestalten. Man beißt sich richtig fest, schuftet für dieses unfertige Stück Metall in der Garage, um es in etwas Großartiges zu verwandeln. Es wird permanent zum zentralen Punkt, weil es dieses eine greifbare Werk ist, das es vermag, der Welt zu zeigen, wer man ist. Es ist schwer, diesen Gedanken mit dem nötigen Nachdruck rüber zu bringen, wenn es ein Leser nie selbst erfahren hat. Der Rest wird wissen, was gemeint ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir haben hier einen Build für euch, der all das kaum besser vertreten könnte. Vorhang auf für den 240SX von Lukas.

Lukas fing schon mit nur 15 Jahren das Schrauben an einem S-Chassis an, auch wenn der damalige 200SX vor einigen Jahren geschlachtet wurde und mittlerweile in Einzelteilen über ganz Deutschland verteilt sein dürfte. Nur wenig später und noch bevor er überhaupt einen Führerschein hatte, nannte er sich auch schon Besitzer eines komplett serienmäßigen 240SX. Gehyped und inspiriert von den Tunern in Japan musste er natürlich nun tätig werden. Noch einmal zur Erinnerung: An diesem Punkt ist Lukas noch Schüler mit sehr begrenztem Budget, was bedeuten soll, dass so ziemlich jede Modifikation einem Bankrott gleicht. Nach kleineren Mods, wie einem RAID HP Lenkrad und einem vernünftigen Radio, folgte da aber tatsächlich schon ein HSD Dualtech Gewindefahrwerk. Danach sollte erst einmal etwas Zeit verstreichen.

Monate später gönnte Lukas dem Klassiker aus Fernost einen OBX Fächerkrümmer und einen Mongoose ESD, damit sich der 2,4l Saugmotor mit angemessenem Klang bemerkbar machen kann. Wiederum einige Zeit später wurde der SX mit einem Satz Dare DR-RS in den Maßen 10×17″ ET15 ausgestattet, die den damals silberfarbenen Nissan deutlich aufwerteten. Dabei sollte es nicht bleiben, denn zur Vision vom Endprodukt war der Weg noch lang. Wieder einmal wurde hart erspartes Geld für einen weiteren Schritt in die richtige Richtung ausgegeben: Budonoki Ducktail und Fender Flares lassen den Wagen seit dem deutlich interessanter daher kommen. Langsam stimmt die Optik, ein Hochgefühl macht sich breit, doch nur um dann erschüttert zu werden.

Vor Montage der Flares fiel vor allem durch die breiteren Felgen und Spurplatten auf, dass die hinteren beiden Räder unterschiedliche Abstände zu den Kotflügeln hatten. Der erste Verdacht beschränkte sich auf eine verzogene Hinterachse, weshalb diese getauscht werden sollte. Dabei wurde jedoch klar, dass nicht die Achse, sondern die Karosserie verformt war. Offensichtlich war der Wagen zuvor in einen Unfall mit Heckschaden verwickelt. Freunde und Bekannte waren sich einig, dass sich eine Korrektur nicht lohnt und Lukas lieber zu einem anderen SX wechseln und bisher angebrachte Teile übernehmen sollte. Nun war dieser 240SX aber schon einige Zeit Lukas Begleiter und hat ihn viel unbereuter Aufopferung gekostet. Die Antwort lag für ihn auf der Hand: Der Wagen bleibt. Nach Beendigung der Schule und dem Start einer Ausbildung in einer Karosseriewerkstatt sollte sich diese Hartnäckigkeit auch auszahlen. Es war ihm nämlich möglich, den Wagen in eben dieser Werkstatt mit Unterstützung seiner Chefs wieder auf Vordermann zu bringen. Wer mehr zu diesem aufwendigen Projekt sehen möchte, sollte unbedingt mal einen Blick in Lukas Blog werfen.

Die zweite Chance dieses 240SX war also eingeleitet und die Metamorphose war noch lang nicht am Ende. Noch während der Karosserierettung flog die blaue Innenausstattung raus, um dem sehr seltenen braunen Nissan Interieur zu weichen. Es gibt keine Rücksitzbank mehr und stattdessen liegt dort nun ein entsprechend angefertigter Teppich für den neu gestalteten Innenraum. Zudem wurde es natürlich Zeit für eine neue Farbe. Auf Basis verschiedener bereits existierender Farben, mit denen er nicht ganz zufrieden ist, erstellte Lukas seinen eigenen Farbton. Die Bilder hier sind zwar gut, aber werden dem Lack bei direktem Anblick nicht gerecht. Der Lack ist unglaublich glossy und wirkt fast so, als könnte man seine Hand darin eintauchen.

Bisher ergänzen nun ansonsten noch eine DBilas Nockenwelle und ein Ölfilter Relocation-Kit das gesamte Paket. Die Geschichte dieses 240SX ist damit jedoch noch lang nicht am Ende oder gar am Höhepunkt angelangt. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits eine speziell angefertigte Einzeldrosselklappenanlage auf Suzuki GSX-R Basis in Arbeit. Wir sind jedenfalls gespannt auf den weiteren Weg dieses Kult-Nissans und werden ihn sicherlich weiter beobachten. Eine Rückkehr in das Magazin ist definitiv nicht ausgeschlossen.

 

 

Artikel: Tim Schwarz

Fotos: Marc Ingenpass

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