E30 M3 Cecotto Tracktool

Nun liest man hier etwas von Tracktool, direkt ganz oben prangt dieser wunderschöne 1989er E30 M3 und der ein oder andere mag sich fragen, ob sich hier nicht die falschen Bilder in den Artikel verirrt haben. Optisch könnte dieser BMW locker als reines Showcar durchgehen, denn auch dort sind Gewänder im Renntrimm keine Seltenheit mehr, selbst wenn die Fahrzeuge so eigentlich nie genutzt werden. Der feine Unterschied zu tatsächlichen Pistensäuen ist dann doch meist bei näherer Betrachtung der Zustand. Klar, technisch ebenfalls einwandfrei, aber meist gibt es bei den “Echten” hier und da doch deutliche Kampfspuren. Bis auf vielleicht ein oder zwei Steinschläge sucht man die hier aber fast vergebens. Trotzdem versichern wir: Felix’ M3 wird artgerecht gehalten!

BMW E30 M3 versteht man direkt, mit Tracktool kommen wir auch noch klar. “Cecotto” allerdings ist wohl doch eher etwas für Kenner. Von Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre widmete BMW Motorsport ihren Werksfahrern einige limitierte Sondermodelle ihrer Straßenautos. So entstanden neben den normalen Evolutionsstufen des M3 auch die Modelle “Europameister” zu Ehren von Roberto Ravaglia und eben dieses Sondermodell hier für den Venezolaner Johnny Cecotto. Wie die gravierte Plakette am Armaturenbrett verrät, ist dieser hier Nummer 135 dieser kleinen, auf 505 Stück begrenzten Baureihe des E30. Haupterkennungsmerkmal dieser Version war unter anderem eine verschärfte Optik mit zusätzlichem Frontspoiler, modifiziertem Heckspoiler, sowie einer edleren Innenausstattung. Genau – eigentlich genau die Version, welche man normalerweise eher nicht als Basis für ein Tracktool nutzt. An dieser Stelle klickt sich der typische Purist empört raus und verflucht den Erbauer dieses Präzisionswerkzeugs dafür, dass es in seinen Augen nun nur noch 504 Cecottos gibt. Felix sieht das übrigens eigentlich genauso, doch war der Umbau bereits vor dem Kauf erfolgt. Ein Rückrüsten wäre mit extremem Aufwand verbunden und außerdem hatte Felix explizit nach einem solchen Sportgerät gesucht. Die jetzt noch übrigen waschechten Petrolheads unter den Lesern warten nun wohl gebannt auf ein paar Details.

So richtig viel ist tatsächlich nicht von der Cecotto Ausstattung übrig geblieben, auch wenn das von Außen auf den ersten Blick erstmal nicht so wirkt. Die von Haus aus aufgemotzte Optik des Cecotto wird hier von Teilen des M3 Sport Evo in dezenter Manier ergänzt. So lassen sich die Ursprünge des Frontsplitters und des Flaps am Heckflügel nachverfolgen. In Summe hat Felix M3 alles an Spoilern verbaut, was BMW jemals in einen Straßen-M3 eingebaut hat. Hier sind auch wir eigentlich recht froh darüber, dass man nur erweitert und nicht völlig umgebaut hat. Bei dieser Karosse gerät man einfach ins Schwärmen.

Da dieses Fahrzeug stetig Rennstrecken sieht, bleiben technische Verbesserungen sowie Reparaturen natürlich nicht aus. Um genau zu sein: solche Änderungen waren hier sogar recht umfassend. Der serienmäßige Cecotto Motor leistet normalerweise etwa 215PS. In diesem roten Sportgerät allerdings war das etwas anders. Der Serienmotor mit 2,3 Litern wurde vom Vorbesitzer auf 2,5 Liter Hubraum aufgebohrt, was ab Werk nur der finalen Auflage des M3, dem Sport Evolution, vorbehalten war. Dazu rüstete der Vorbesitzer eine Carbon Airbox, sowie eine neue Abgasanlage inklusive Fächerkrümmer nach, womit der M3 knapp über 270PS drückte.

Leider musste Felix feststellen, dass es doch einen großen Unterschied zwischen einem aufgebohrten und einem nicht aufgebohrten 2,5-Liter-Block gibt. Nach einem kapitalen Motorschaden wurde der defekte 2,5 Liter Motor durch einen fabrikneuen 2,3 Liter Motor ersetzt, mit den vorhandenen Bauteilen aufgewertet und leistet nun 230PS. Entscheidender Vorteil: Er hält. Damit dies auch so bleibt, spendierte er dem Motor eine DTM-Ölwanne, die auch bei schnellen Kurvenfahrten für Schmierung sorgt. Für eine bessere Straßenlage wurden die serienmäßigen Motor- und Getriebelager durch originale DTM-Teile, die es tatsächlich immer noch bei BMW zu kaufen gibt, ersetzt.

Bei näherer Betrachtung mag dem BMW-Enthusiasten auffallen, dass die Felgen nicht ganz der Serienfelge entsprechen. Ab Werk finden sich hier normalerweise Kreuzspeichen in den Maßen 7,5×16″. Diese wurden hier durch die Kreuzspeichen der 7er-Baureihe ersetzt, welche ein halbes Zoll breiter sind, und hier etwas besser im Radhaus stehen.  Die Bremsanlage stammt aus einem der jüngeren Brüder, dem E36 M3 und packt hier in Kombination mit Hawk DTC70 Belägen äußerst kräftig zu. Für ausreichend Grip in den Kurven sorgen Kumho V70A Semis. Bei einem Leitplankenkontakt auf regennasser Nordschleife quittierte das damals verbaute Bilstein Gruppe N Fahrwerk seinen Dienst und wurde im Zuge der Reparatur durch ein zeitgemäßes KW Competition ersetzt, welches von Boes-Motorsport abgestimmt wurde. Bei diesem Tausch wurde da auch gleich die Hinterachse um Verstellmechanismen für den Sturz erweitert.

Innen geht es wie angekündigt spartanisch weiter. Statt der Cecotto-typischen Ausstattung findet sich hier unter anderem eine bis auf die Dome verschweißte Zelle von raceparts.cc und viel rotes Metall, wo eigentlich mal Teppiche waren.

Während der Beifahrer mit einem Sandtler 4-Punkt Gurt an einen Sparco Pro 2000 geschnallt wird, beschränkt sich der Aktionsradius des Fahrers auf einen Sparco Ergo mit abnehmbaren Ohren. Hier wird er mit einem Sandtler 6-Punkt Gurt in Position vor dem klassisch geschüsselten Momo Lenkrad gehalten. Das wurde nicht nur mit Alcantara bezogen, sondern auch mit dreifarbigen Ziernähten, passend zum M-Logo versehen. Die Schaltkulisse wird ganz klar von einem CAE-Shifter und der Fly-Off Handbremse, die noch die Teilnahme zahlreicher Läufe der International Drift Series erinnert, dominiert. Abgesehen von einem Feuerlöscher findet man hier ansonsten keine weiteren Gadgets. Wozu auch?

Felix setzt den M3 hauptsächlich auf Trackdays des Pistenclub e.V. ein. Vor allem auf kleineren, kurvenreichen Strecken entfaltet der Wagen durch präzises Handling sein volles Potenzial. Dieses Hobby wurde ihm quasi mit in die Wiege gelegt und so konnte er bereits mit nur 18 Jahren seine ersten Rennstreckenkilometer im 996.2 GT3 seines Vaters runterfahren. Seit dem war klar, dass es nicht für immer der geliehene Porsche bleiben konnte, weshalb wir nun hier diesen E30 bewundern dürfen.

 

 

Artikel: Tim Schwarz

Fotos: Marc Ingenpass

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