Einfach und unkompliziert: Track – Civic FN2

Vielleicht ist es vermessen, das zu sagen, aber wenn wir „Civic“ hören, haben wir normalerweise als Erstes einen EG oder ein EJ-Modell im Kopf. Die kleinen agilen Hatchbacks aus den 90ern eben, welche sich gewöhnlich im Kanjo-Style mit 100 mm Endrohren auf der Autobahn präsentieren. Aber auch der Civic hat mit der Zeit seine ganz eigene Evolution durchwandert und das aktuelle Modell hat damit gar nicht mehr so viel zu tun. Also abgesehen davon, dass es weiterhin ein ziemlich cooles Auto ist.

Eines der ersten Modelle, das sich an einen völlig neuen Stil wagte, ist wohl unter anderem der FN. Zu seiner Zeit kam dieser ziemlich futuristisch daher und so mancher Fan der Oldschool-Civics stand dem sehr argwöhnisch gegenüber. Tatsache ist aber, dass der deutlich massigere FN seinen älteren Geschwistern beim Thema Fahrspaß gar nicht so sehr hinterherhinkt, wie viele sagen. Das „Ugly Duckling“ der Type-R Brüder bietet mit einigen Mods nämlich sehr wohl das typische Rennsemmel-Feeling.

Das Exemplar hier vor unserer Linse ist Luisas Type-R aus dem Jahr 2008. Beim ersten Anzeichen eines Type-R Emblems darf man gerne schon ein breites Grinsen zulassen. Äußerlich ist er bereits ab Serie etwas breiter und tiefer als der normale FN gestaltet. Im Innenraum wird man für gewöhnlich direkt von Schalensitzen, Alcantara und roten Ziernähten begrüßt. Viel wichtiger sind hier allerdings die inneren Werte. Der überarbeitete 2.0 Liter K20Z4 Motor drückt die Ventile schon bei 5200 U/min so weit durch, wie nur möglich, und schleudert die Tachonadel ab 5600 U/min mit einem maximalen Drehmoment von 193 NM in das Drehzahl-Nirvana, irgendwo bei 8500 Touren.

Dass so ein Fahrzeug eine super Basis für ein spaßiges Tracktool ist, müssten wir wohl eigentlich nicht anmerken. Machen wir aber dennoch, denn genau das war der Plan, mit dem Luisa hier angefangen hatte, Hand anzulegen. Da die VTEC-Eskalationen des 201PS-starken Motors schon für ausreichend Freude sorgen, entschied sie sich dazu, zunächst einmal dem Fahrwerk ein Update zu verpassen.

Das hoppelig-harte Serienfahrwerk wurde entfernt und durch eines der Firma K-Sport in Verbindung mit Domlagern aus vollem Aluminium ersetzt. Hierdurch kommt der Civic dem Boden etwa 40 mm näher. Abgesehen davon ist es aber nun möglich, das so oft bemängelte Seriensetup ganz nach den persönlichen Vorlieben zu verändern. Schon war die erste große Schwäche verschwunden.

In dem Zuge gab es ebenfalls diesen schicken Satz Team Dynamics Pro Race 1.2 in den Maßen 8×18″ mit Yokohama Parada in 225/40. Mehr Grip und deutlich weniger Gewicht sind schon immer eine Formel gewesen, nach der man sich richten sollte. Hinter den weißen Leichtgewichten versteckt sich hier zudem eine D2 8-Kolben Bremsanlage, die im späteren Verlauf hinzugefügt wurde. Diese drückt mit Endless MX72 Belägen auf 330 mm Scheiben und lässt den Civic ziemlich hart ankern.

Nachdem dem Civic die grundsätzlichen Schwächen ausgetrieben worden waren, musste der Honda erst einmal ordentlich abspecken. Rücksitzbank und Teppiche gibt es nicht mehr, die gesamte Unterhaltungselektronik wurde entfernt und die vorderen Sitze durch leichte Sparco REV Schalen ersetzt. Ganz im Stile eines Sportgerätes hat sie außerdem das Serienlenkrad abgeflacht, mit Alcantara bezogen und mit der typischen 12-Uhr-Markierung versehen.

Wirklich nötige Verkleidungen hat Luisa durch Teile aus Carbon ersetzt. Einige davon sind sogar Eigenbauten. In dieser Konfiguration sorgt nicht nur die Optik für Rennwagenflair, sondern auch vor allem die Klangkulisse. Da jegliche Dämmmatten fehlen, hört man einfach alles. Ob Motor, das arbeitende Getriebe oder jedes noch so kleine Steinchen, das gegen den Unterboden schlägt, alles meldet sich hier zu Wort.

Offensichtlichste Modifikation ist ansonsten der Überrollbügel von Pleie, welcher die Karosserie deutlich spürbar versteift und im schlimmsten aller Fälle natürlich für den Schutz der Insassen sorgt. Hieran werden Fahrerin und Beifahrer im übrigen auch mithilfe von Sandtler 4-Punkt Gurten in die Sitze geschnallt.

Außen hat die Diät ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Carbonmotorhaube von Tegiwa und Mugen Kühlergrill, ebenfalls aus Carbon, stechen hier direkt ins Auge. In Summe hat Luisa hier ganze 122 kg entfernt, womit der zweite Kritikpunkt an diesem Modell ungültig wurde.

Der K20 unter der Tegiwa-Haube hingegen blieb bisher fast unangetastet. Hier wurde etwas durch eine verbesserte Ansaugung nachgeholfen, indem die Nebelscheinwerfer entfernt und der entstandene Raum als Frischluftzufuhr umfunktioniert wurde. Ansonsten wurden auch hier die meisten Schläuche durch Pendants aus hochwertigem Silikon ersetzt und diverse Carbon Abdeckungen machen diesen K20 zum Blickfang.

Das kernige VTEC-Fauchen schallt über eine Milltek Abgasanlage nach außen und weckt einfach die typische Euphorie im Rausch der Drehzahlorgie. Mit diesem seriennahen Setup kann man die 201PS völlig stressfrei genießen und dem Wagen ohne große Probleme oder aufwendige Wartung die Sporen geben. In Verbindung mit dem knackigen Fahrwerk und der bissigen Bremse findet man sich hier in einer echten und zuverlässigen Rennsemmel wieder.

So wie man ihn hier sieht, hetzt Luisa den Civic nun schon seit geraumer Zeit über die unterschiedlichsten Rennstrecken. Ob nun Nordschleife oder Bilster Berg, der Civic vermag es stets, ihr ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. In unseren Augen ist er ein perfektes Beispiel für einen zweckorientierten und vernünftigen Build, von dem sich viele etwas abgucken können. Hier gibt es ausschließlich die nötigsten Modifikationen, um ans persönliche Limit zu gehen und einfach Spaß dabei zu haben. Diese Handvoll Upgrades ist allerdings mit großer Sorgfalt ausgewählt und umgesetzt worden. Sauber, simpel und verdammt spaßig. Was will man mehr?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen