Eurotrippin’ Rocket Bunny S13

So langsam wird der Juni zum Nissan-Monat, denn wir haben hier schon wieder ein gut gelungenes Modell aus diesem Hause. Mittlerweile dürfte klar sein, dass wir etwas vorbelastet sind, was Nippon-Boliden aus den 90ern angeht. Das wollen wir auch gar nicht beschönigen, aber tatsächlich ist Dannys Nissan 200SX S13 wieder eines dieser Autos, die einen nicht nur durch ihre Erscheinung und Performance beeindrucken. Hier steckt vor allem wieder eine etwas andere Geschichte dahinter. Wir haben hier und da ja schon betont, dass wir einprägsame Stories zu den Fahrzeugen total feiern und darum gibt es das Raketen-Kaninchen nun hier auf die Mattscheibe. Davon abgesehen ist für ein S-Chassis einfach immer Platz, oder nicht?

Seine erste S13 ergatterte Danny bereits im zarten Alter von 19 Jahren. Diese blieb weitestgehend unverändert, abgesehen von der obligatorischen Brülltüte, dem Gewindefahrwerk und Volk TE37 Replicas. Zu diesem Zeitpunkt war das aber wohl die vernünftigste Option zum Einstieg in die SX-Szene. Knapp zwei Jahre später erfolgte dann der Wechsel zu diesem Prachtstück hier. Gerade einmal 90.000 km auf der Uhr, komplett serienmäßig und mit fast tadelloser Karosserie. Wie selten letzteres ist, ist hier wohl jedem klar. Einen Haken hatte das Ganze trotzdem: Der Wagen stand verdammt lange, was dem Motor in diesem Fall überhaupt nicht gut bekam. Der lief zwar, aber doch gar nicht mal so rund, wie er es sollte. Was hat Danny nun also mit dieser stabilen Basis und ihrem Motor als einzigen Schwachpunkt angestellt?

Exakt! In der folgenden Winterpause wurde der Motor erst einmal in Ruhe gelassen, um zunächst die Karosse an jeder Ecke aufzuschlitzen. Überrascht? Wir auch. Doch können wir ihm diese Entscheidung in keinster Weise verdenken. Das Rocket Bunny V1-Kit, das mit Hilfe von Emperador Motorismo verbaut wurde, kann ordentlich was. Zusammen mit der restlichen Karosserie wurde es in die 3M-Folie “Dragon Fire Red” gehüllt. Wirkt wie das Nissan-Rot, bloß irgendwie frischer, und gerade das gefällt uns sehr. Bei diesem Boliden wird also von außen nach innen aufgeräumt.

Ungefähr zur selben Zeit wurde der Nissan mit einem brandneuen D2 Racing Street Gewindefahrwerk und Cosmis XT-006R beglückt. Die runden Edelmetalle in den Maßen 9.5 und 11×18″ suchen hier über 245er und 295er Gummis den Kontakt zur Straße. S13 Fahrer werden es direkt erkannt haben: Hier wurde auf Radnaben mit fünf Bolzen umgebaut. Die komplette Bremsanlage stammt vom Nissan Skyline R32 und fügt sich im OEM-Look unaufällig ein.

Um die Spannung bezüglich des Motorproblems weiter aufrechtzuerhalten, müssen wir gar nichts tun, außer der tatsächlichen Chronologie zu folgen. Abgesehen vom Montieren einer kompletten 3-zölligen Abgasanlage, passierte da nämlich weiterhin nicht viel. Danny verbaute also ein 3″-Downpipe, sowie einen 100-Zellen Katalysator und einen Muffler von JapSpeed.

Als Nächstes knöpfte sich Danny den Innenraum vor. Dachhimmel, Sitze und diverse Verkleidungsteile wurden neu bezogen und mit roten Nähten bestickt. Hinzu kam ein Momo D35 Lenkrad und ein Satz ProSport Instrumente. Von da an konnten also auch Lade- und Öldruck, sowie Öltemperatur und das Kraftstoff-Luft-Verhältnis überwacht werden.

Trotzdem der Motor noch immer nicht vernünftig lief, nahm Danny im Jahre 2016 am UCS Eurotrip teil. Dies ist eine Tour mit mehr als 20 Fahrzeugen, die in den Niederlanden startet und quer über mehrere Ländergrenzen bis nach Kroatien und wieder zurückführt. Wie das nun einmal so ist, gab der Motor pünktlich zu Beginn der Veranstaltung alles, um zu verdeutlichen, dass es ihm so gar nicht gut geht. Völlig euphorisch durch sein Vorhaben entschloss sich Danny aber tatsächlich dazu, nicht auf das ungute Gefühl beim Klang des Motors zu hören, und machte sich auf nach Kroatien. Der Nissan schaffte es tatsächlich bis zum kroatischen Ziel: eine eigens für die Tour gemietete Rennstrecke.

Auch ein paar Runden auf der Piste ließ er sich nicht nehmen und so kam es schließlich, wie es kommen musste. Der nächste Teil der Tour fand für die S13 am Rande einer Autobahn, mitten in Kroatien, vorerst ein Ende. Der Nissan wurde zu einer Werkstatt geschleppt, in der man auf die Schnelle nicht viel tun konnte. Da sich der ADAC wenig hilfsbereit zeigte und nur darauf verwies, wie leichtsinnig es war, mit einem so alten Auto eine solche Reise anzutreten, mussten Freunde mit einem Anhänger aushelfen und ihm einen Großteil des Weges entgegenkommen.

Nachdem etwas Abstand zu den Ereignissen gewonnen worden war, machte Danny sich daran, den SX zu entkernen. Der alte CA18DET hatte ausgedient und sollte durch eine verbesserte Version ersetzt werden. Sein Plan war es, einen fertig aufgebauten Motor aus einem anderen Projekt zu nutzen. Dieser war schnell gekauft und verbaut, jedoch währte die Freude nicht allzu lang. Erst später fiel auf, dass hier bereits ein Kolben beschädigt war. Nach diesem weiteren Niederschlag dachte Danny aber noch lang nicht daran, aufzugeben. Der zweite Anlauf folgte sogleich und er entschied, diesen CA18 von der Firma WS Motors neu aufbauen zu lassen.

Der Motor wurde zerlegt und die meisten Komponenten mussten jeweils einem stärkeren Nachfolger weichen. Im Block pumpen nun Schmiedekolben zusammen mit H-Schaft Pleuel und ACL Lagerschalen auf und ab. Für entsprechenden Druck sorgt ein Garrett GT2860RS, der sich die Frischluft durch einen Apexi Filter und einen Z32 Luftmassenmesser zieht. Zum Turbo-Upgrade gehört ebenso ein Ladeluftkühler von Driftworks, ein D1 Spec Öl- und Wasserkühler. Den Kraftstoff liefern zudem 444er Düsen aus dem Nissan Skyline. Unterm Strich erzeugt das gute 300 Pferde.

Seit etwa einem Jahr rollt dieser SX nun mit dem hier aufgeführten Set-Up umher und schnurrt wie ein zufriedenes Kätzchen. So wie es aussieht, hat der Nissan Danny die Tour de Kroatien verziehen und rechnet ihm seinen Eifer hoch an. Die äußerlichen Veränderungen stehen ihm gut, wie wir finden. Das V1 Bunny-Kit zerstört die Linie trotz seiner extremen Breite absolut nicht, denn anders als die kantigen Kits, wie man sie vielleicht vom GT86 kennt, wird hier in unseren Augen ein eher klassisches Design verfolgt. Für uns wohl der Platz 1 unter den Bunny-Kits. Ebenfalls schön zu sehen ist der aufgebaute CA18 anstatt eines so beliebten SR20-Swaps. Das ist für uns mal etwas frischer Wind, auch wenn es komisch ist, das über den eigentlichen (europäischen) OEM-Motor zu sagen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Mehr als das obige Bild braucht man wohl eigentlich gar nicht, um die Freude zu übermitteln, die wir beim Anblick dieses JDM-Heros haben. Wir brauchen wirklich mehr davon.

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